Vor einigen Monaten wurde ich auf Serdar Somuncu aufmerksam, der zunächst wie jeder andere Komiker wirkte, auf dem zweiten Blick aber doch faszinierte: trotz gelegentlichem Fäkalhumor und permanenten NS-Anspielungen gelingt es Somuncu, mit seiner Art zu begeistern und natürlich zu unterhalten.
Selbst nach dem tausendsten Hören der CD wird einem nicht langweilig und man kann sogar noch, oder besser: gerade dann!, live über seine Witze lachen. So erging es mir zumindest, als ich vor einigen Wochen bei seiner neuesten ‘Lesung’ lauschen durfte.
Schon vorher aber entschied ich mich dazu, mir sein erstes Buch zu seiner ersten großen Tour zuzulegen: in “Nachlass eines Massenmörders” dokumentiert Somuncu seine Erlebnisse bei der Lesereise zu “Mein Kampf” und erzählt so mancherlei Anekdote aus unbekannten Orten dieses Landes. Neben der Rezeption des Publikums und der oft einhergehenden Kontroverse ob seiner Thematik erteilt uns Somuncu auch gerne eine Geschichtslektion im Stile Guido Knopps und weist uns darauf hin, was sich vor rund 70 Jahren abspielte und wie es soweit kommen konnte.
Wie man merken dürfte, fand ich diesen Part eher nicht so gelungen und hätte doch auf eine ausführlichere Tourbeschreibung im Tagebuchstil gehofft. Diese fällt leider viel zu kurz aus und man bekommt nur einen kleinen Eindruck, was Somuncu während dieser Zeit alles erlebte.
Stilistisch wirkt das Ganze sehr sicher, grobe Schnitzer finden sich eher selten. Ich war zugegeben etwas überrascht, da ich vielmehr ein heiteres Potpourri seiner schlimmsten Sprüche erwartet habe, konnte mich aber schnell mit der Art anfreunden und empfand es als sehr flüssig zu lesen. Da hat jemand wohl neben seiner Schauspielerausbildung auch etwas Schreiben gelernt, sehr schön.
Für den Mainstream-Somuncu-Freund mag das Buch eher nichts sein, für jeden Interessierten an einer Lesung aus “Mein Kampf”, der damit obligatorischen eher negativen Rezeption (“Der is doch ‘nen Nazi!”) und der Bewältigung ebendieser aber durchaus empfehlenswert.